Vergessen Sie den Deutschen, vergessen Sie den Schweizer Literaturpreis, vergessen Sie Dorothee Elmiger, hier kommt der Österreichische Buchpreis, mein deutschsprachiges Buch des Jahres 2025. Geschrieben von einem Bulgaren, der 1990 als Flüchtling nach Österreich kommt, in Wien studiert und nach 13 Jahren Arbeit in diesem Herbst das Resultat vorlegt. Die Donau, abgebildet auf dem Cover, gibt die geographische Richtung vor, der Roman spielt zu Teilen in Österreich, Deutschland, Rußland und besonders im sozialistischen Bulgarien.
Es gibt 3 Erzählstränge: der eine erzählt beginnend vor Ausbruch des 1. Weltkrieges und endend fast ein Jahrhundert später von Eva und Xaver und deren Tochter Angela, vor uns entsteht ein Bild österreichischen Dorflebens in der Wachau. Der zweite handelt von Leopold, einem Wehrmachtssoldaten, der im Krieg eine Kugel bekommt und sein Gedächtnis verliert. Von der Hirtin Neda in den bulgarischen Bergen gerettet, kehrt Leopold als Meto zurück in die Heimat und trifft dort auf Angela. Ein dritter Strang widmet sich Barko und mit ihm dem Leben im berüchtigten sozialistischen Lager Belene und mit ihm den verfolgten Roma und Sinti.
Eine riesige Anzahl von Figuren bevölkern diesen monumentalen Roman, den der Autor in dieser gelungenen Weise zusammenhält. Mich erinnert dieser Roman in seiner Detailverliebtheit und doch Stringenz an die Werke der großen Poetischen Realisten Gottfried Keller, Adalbert Stifter und Wilhelm Raabe. Ein Buch, an dem Sie lange lesen und ein Buch, an dem Sie noch länger Ihre Freude haben. Nehmen Sie es zur Hand, lassen Sie sich einschneien, besser: tauchen Sie ein in den Mythos Donau und lassen Sie sich vom Fluß des Erzählens treiben.