Das Buch der Autorin und Übersetzerin Petra Hucke ist ein Roman über Herkunft und Familie und über die Befreiung von alten Mustern. Vor allem beschäftigt es sich sehr eindringlich mit der Frage, wie tief Wunden aus der Kindheit reichen und wie sehr sie unser Leben bestimmen können.
Zunächst beginnt der Roman allerdings ganz heiter und unbeschwert: Jessica verbringt ihren Hochzeitstag auf einer Kanutour im Spreewald, mit ihrem Mann Ingwer und ihrer Schwiegerfamilie, bei der sie sich geliebt und geborgen fühlt – ganz anders als bei ihrer eigenen Familie. Die vermeintliche Idylle wird jäh gestört, als Jessica einen Anruf erhält, der sie vom Tod ihres Vaters informiert. Dieses Ereignis katapultiert Jessica zurück in ihre Kindheit, die eher freudlos und von einer Tragödie überschattet war, über die nie gesprochen wurde. Auch ihr Leben als Erwachsene ist geprägt von dem Gefühl, nie zu genügen und nichts richtig zu machen. Allerdings ist es für sie auch sehr bequem, Schuld und Verantwortung auf andere abzuwälzen. Und so schlittert sie mehr oder weniger von einem Fehler zum nächsten – bis sie zum ersten Mal merkt, dass nicht immer jemand da ist, der alles für sie regelt und ausbügelt und sie beginnt, sich sowohl der Vergangenheit als auch der Gegenwart zu stellen.
Packend und mit einigen unerwarteten Wendungen erzählt Petra Hucke vom Schweigen in der Familie, von nicht verheilten Verletzungen und verpassten Chancen, aber auch von der Möglichkeit, sich neu zu entdecken und zu verändern. Und davon, dass es sich immer lohnen kann, einen Neustart zu wagen.