Hotel Love

Im Jahr 2031 haben Frauen keine Rechte mehr. Die Männerpartei regiert und Frauen tauchen nur noch im Reality TV auf, wo sie gegen Androidinnen antreten oder wie Wild gejagt werden. Frauen gelten als eklig, widerspenstig und minderwertig. Androidinnen hingegen sind fehlerfrei, widersprechen nicht und haben nur ein Ziel: Männer glücklich zu machen.

Im Hotel Love können Männer sich ihre perfekte Androidin zusammenstellen. Auch Roman nutzt dieses Angebot. Er will sich dort seine ideale Ehefrau erschaffen. Sie soll genauso sein wie seine Ex Julia, denn dieses Mal soll sie ihn nicht verlassen. Julia 2.0 sieht dem Original vollkommen gleich, sogar die Anzahl der Sommersprossen stimmt. Ihr einprogrammiertes Primärziel lautet, Roman glücklich zu machen. Doch genau das erweist sich als schwieriger als gedacht. Im Laufe der Geschichte zeigt sich, wie Roman wirklich tickt, und die künstliche Intelligenz stößt an ihre Grenzen. Sie kann Roman einfach nicht zufriedenstellen. Doch wäre sie keine KI, wenn sie am Ende nicht doch eine Lösung finden würde. Eine Lösung, die sie mit allen anderen Androidinnen teilt. Am Ende werden alle glücklich, wenn auch auf eine unerwartete Weise. Zwischen Werbepausen und Systemstörungen, ausgelöst von einer Rebellengruppe, entfalten sich Rückblenden, die die Beziehung zwischen der echten Julia und Roman zeigen. Stück für Stück entsteht ein immer klareres Bild von Romans wahrem Charakter. Die Spannung wächst kontinuierlich.

Der Roman liest sich wie eine Reality TV Show. Mit hohem Tempo rauscht man durch die Seiten. Die Autorin entwirft diese Welt mit bitterbösem schwarzem Humor, der gleichzeitig unterhält und verstört. Man schmunzelt, schüttelt den Kopf und manchmal bleibt einem das Lachen im Hals stecken. Die Geschichte ist grotesk, überdreht und zugleich erschreckend nah an aktuellen Debatten über künstliche Intelligenz, Machtverhältnisse und Geschlechterpolitik. Unweigerlich fragt man sich, wie weit wir von diesem Szenario wirklich entfernt sind. Eine absolute Leseempfehlung für alle, die Lust auf einen feministischen, witzigen und schrägen Roman haben, der noch lange nachwirkt.

Sarina Holtrup

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