Die Vogelinsel

Peter May, schottischer Krimi- und Drehbuchautor aus Glasgow, Jg. 1951, über 30 Romane, in 40 Länder übersetzt, 15 Mio verkaufte Bücher, sein größter Erfolg: die „Lewis-Trilogie“, 2025 neu hrg. vom Kampa-Verlag, (der neue 4. Band „Schwarzes Wasser“ wird im Herbst 2026 erwartet) benannt nach der Insel auf den Äußeren Hebriden im äußersten Nordwesten Schottlands, 2000 Qkm groß, 20.000 Einwohner.

Es geht um Finn MacLeod, ein Ermittler aus Edinburgh, der in seine Heimat auf die Hebriden berufen wird, weil ein Mord einem Fall in Edinburgh gleicht, die gleiche unappetitlich zugerichtete Leiche, stranguliert, nackt und ausgeweidet. Der Tote Angus ist ein ehemaliger Klassenkamerad des Ermittler, ein Rauhbein und Schläger, hat viele Feinde, etwa Chris Adams, Tierschützer, der gegen die Sula-Jagd demonstrieren will und deshalb von Angus zusammengeschlagen wurde.

Sula-Jagd, das ist ein tatsächlich existierendes Ritual, die seit 500 Jahren alljährlich 14 Tage lang von einer Gruppe von 12+x ausgewählten Personen aus Lewis durchgeführt wird: die Abschlachtung von 2000 Jungvögeln einer Basstölpel-Kolonie zwecks Vertrieb als Delikatesse auf der Insel. Einst geschah es aus Hunger und Not, nun ist es Tradition. Statt findet es auf An Sgeir, einem der unwirtlichsten Orte des Planeten, noch 80 Kilometer nördlich von Lewis. Kaum 800m lang und 100m breit, dafür 90m steil aufragender, schwarzer, vom ständigen Sturm unterhöhlter und vom Vogelkot verschmierter Fels ohne Strand und Vegetation. Hier befindet sich eine der größten Basstölpel-Kolonien der Erde. Damals wie heute ist die 14-tägige Jagd nach den Jungvögeln ein lebensgefährliches Unterfangen.

Finn und Angus haben an dieser Jagd teilgenommen und vieles spricht dafür, daß Finn, 18 Jahre, nachdem er dort war und die Insel aus gutem Grund verließ, erneut nach An Sgeir kommen muß, um dem Rätsel um die Leiche auf die Spur zu kommen.

Dem Autor ist es gelungen, die Beziehungen der Menschen auf der Insel nahezubringen. Erwartet hatte ich vom Krimi eine Atmosphäre von Einsamkeit, Natur und Kargheit, auch an Worten kargen Menschen. Was ich bekam, waren Schilderungen vom Land- und Schulleben, vom Partyleben und Schülerstreichen, von erster Liebe und abgründigem Haß auf Mitmenschen. Sie bekommen im Krimi beides geboten: eine Reise zum Ende der Welt, sehr lebhaft beschrieben sowie einen äußerst spannend erzählten Kriminalfall, der sich zum Ende immer intensiver gestaltet.

1 Mio Schotten können nicht irren: So oft wurden die Finn MacLeod-Reihe dort verkauft.

Martin Hungenbach

Martin ist der Inhaber des Worthauses. Er studierte Philosophie, Germanistik, Sozialwissenschaften, ist gelernter Buchhändler und das lebt er mit ganzem Herzen. Kaum ein Buch, über das er nichts zu sagen weiß ...

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