Die Riesinnen

Der Debütroman der in Heidelberg geborenen Autorin Hannah Häffner führt uns in den Schwarzwald und ist, wie die Schriftstellerin Doris Knecht treffend sagt: „Wüst, wild, bewegend und voller Poesie“. Das kann ich nur bestätigen – es ist der Roman, der mich in diesem noch jungen Lesejahr bisher am meisten beeindruckt hat.

Das kleine fiktive Dorf Wittenmoos im Schwarzwald ist die Heimat dreier Frauen: Liese, Cora und Eva Riessberger, „die Riesinnen“, weil sie ungewöhnlich groß und dünn sind, dazu noch rothaarig, und auch sonst eher nicht so gut ins Dorfbild passen. Häffner erzählt die Geschichte dieser drei Frauen, von den späten 50er Jahren bis in unsere Gegenwart und begleitet sie durch den Wandel der Zeit:

Liese, die still und unerbittlich gegen Konventionen und Rollenbilder ankämpft, in einer männerdominierten Welt den Familienbetrieb ihres verstorbenen Mannes übernimmt und die Metzgerei als Chefin führt; die sich nie ganz wohl fühlt im Dorf und doch immer bleibt.

Ihre Tochter Cora, die immer weg will aus dem Dorf, den Absprung auch schafft, um dann doch wieder zurückzukehren.

Und schließlich Eva, Coras Tochter, die das Dorf liebt und woanders nicht leben kann, dies aber erst auf Umwegen merkt.

„Die Riesinnen“ ist ein Familien- und Dorfroman, der ganz viele Facetten des menschlichen Zusammenlebens beschreibt, mit dem jeweiligen Zeitgeschehen – und dem Schwarzwald – als Hintergrundkulisse, und sich dabei auch dem Begriff und der Bedeutung von Heimat widmet.

Es hat mich sehr begeistert, wie Hannah Häffner mit beeindruckender Beobachtungsgabe, umwerfender Sprache und feinem Humor über Mütter und Töchter, über Freiheit und Wurzeln schreibt.

Simone Neidlinger

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