Der letzte Tag des Fährmanns

Frode Grytten gilt als einer der wichtigsten Autoren Norwegens – er hat Romane, Kurzgeschichten, Gedichte und Kinderbücher geschrieben und wurde mit dem norwegischen Buchpreis ausgezeichnet.

In seinem neuen Roman zeichnet er das Porträt einer kleinen Gemeinde im Fjord und der Menschen, die seit Generationen dort leben.

Es sind die Erinnerungen des Fährmanns Nils Vik, der alleine lebt, seit die beiden Töchter ausgezogen sind und seine Frau Martha gestorben ist. Und so beschließt er eines Tages, dass sein Leben gelebt ist, und er bricht zu seiner letzten Fahrt auf.

Dabei erinnert er sich an alles, was für ihn wichtig war im Leben: Begegnungen und Begebenheiten, die sich ihm eingeprägt und ihn geprägt haben.

Aus seinen Einträgen ins Logbuch tauchen so die Menschen, die er über die Jahrzehnte mit seiner Fähre transportiert hat, wieder vor seinen Augen auf: der amerikanische Fotograf, der zum Freund wurde, dann aber wegging, als er sich in Nils’ Frau verliebte; der rebellische Junge, der – frisch verliebt – mit seiner Freundin im Auto verunglückte; die ehemalige Miss Norway, die später Schönheitstipps verkauft, um finanziell über die Runden zu kommen; sein Bruder, der sein Leben nie in den Griff bekam; und noch viele mehr…

So reiht der Autor in seinem episodischen Roman Erinnerung an Erinnerung, und entstanden ist ein wunderschönes, melancholisches Buch des Abschieds, aber auch ein Buch, das das Leben feiert.

Simone Neidlinger

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