Badjens

„Badjens“ von Delphine Minoui ist ein eindrucksvoller Roman über Mut, Widerstand und Hoffnung. Das Wort „Badjens“ bedeutet übersetzt „nicht akzeptabel“, steht aber auch für „schelmisch“ oder „aufmüpfig“. So nennt die Mutter ihre Tochter liebevoll. Die Protagonistin heißt eigentlich Zahra, ist 16 Jahre alt und lebt im Iran.

Der Roman beginnt damit, dass Zahra auf einem Müllcontainer steht, ihr Kopftuch verbrennt und damit gegen die Unterdrückung der Frauen protestiert. Von diesem Moment aus, blickt sie auf ihr Leben zurück und erzählt von ihrer Kindheit und Jugend. Schon vor ihrer Geburt wird deutlich, wie wenig ein Mädchen in ihrer Familie wert ist. Als bekannt wird, dass Zahra ein Mädchen ist, will ihr Großvater sie abtreiben lassen, doch das ist zu teuer. Ihre Mutter liebt sie bedingungslos, während ihr Vater sie kaum beachtet. Als später ihr kleiner Bruder geboren wird, wird dieser vom Vater bevorzugt und verwöhnt. Zahra lernt früh, dass ihr Leben von Anpassung und Einschränkungen geprägt ist. Doch mit zunehmendem Alter beginnt sie, sich leise zu wehren, während ihre Wut immer größer wird. Gemeinsam mit ihren Freundinnen schafft sie sich heimliche Freiräume, hört verbotene Musik, sticht sich Tattoos und erlebt kleine Momente von Freiheit. Ihre Mutter unterstützt sie dabei still im Hintergrund, solange der Vater nichts davon erfährt. Während draußen auf den Straßen die Proteste immer größer werden, fasst Zahra den Entschluss, selbst aktiv zu werden.

Das Buch erzählt nicht nur die Geschichte einer jungen Frau, sondern die einer ganzen Generation, die sich trotz Angst nicht zum Schweigen bringen lässt. Man fliegt durch den Roman und spürt auf jeder Seite den Wunsch nach Freiheit. Die Sprache von Delphine Minoui ist kraftvoll, intensiv und berührend. Der Text rüttelt auf, macht betroffen und zwingt einen dazu, über Privilegien, Freiheit und Widerstand nachzudenken. Ein wichtiges, hochaktuelles Buch, das lange nachhallt und eine dringende Leseempfehlung ist.

Sarina Holtrup

Nach oben scrollen