Strandgut

„Hoffnung ist ein Ort, der am Meer liegt“ – in Benjamin Myers neuem Roman ist dieser Ort das englische Scarborough. Dort treffen Bucky, ein alternder Musiker, der als 17jähriger eine einzige Hitsingle veröffentlich hat, und Dinah, sein vermutlich größter Fan, aufeinander.

Als Bucky die Einladung zu einem Auftritt beim großen Soulfestival an der britischen Küste erreicht, zögert er nur kurz. Nach dem Tod seiner Frau treibt er eher ziellos durchs Leben, und so ergreift er die unerwartete Gelegenheit und macht sich auf die Reise von den USA nach England. Empfangen wird er dort von Dinah, die ihn zupackend und herzlich unter ihre Fittiche nimmt und von der er zu seiner großen Überraschung erfährt, dass er in England berühmt ist und sein damaliger Hit noch immer gespielt wird. Und wie diese beiden vom Leben gebeutelten Menschen sich annähern und gegenseitig stützen, ist wunderbar beschrieben. Sehr einfühlsam, schnörkellos und immer mit einer Prise Humor erzählt Myers, wie Dinah mit ihrer Energie und Power dem einsamen und unter chronischen Schmerzen leidenden Bucky hilft, wieder aufzutauchen, und wie umgekehrt er ihr klarmacht, dass es für sie durchaus die Möglichkeit eines Lebens ohne prügelnden Ehemann und schmarotzenden Sohn geben könnte.

All das ist eingebettet in die Kulisse des Küstenstädtchens Scarborough mit seinem nostalgischen Charme zwischen Vergangenheit und Gegenwart – ein melancholischer, und doch mutmachender Roman, in den es sich lohnt einzutauchen wie in das Meer.

Simone Neidlinger

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